War da was mit Pressefreiheit? Björn Höcke und der Streisand-Effekt

Was für ein »Streisand-Effekt«! Und dazu noch einer, der die Nutzer alternativer Medien durchaus mit gewisser Schadenfreude erfüllen kann:
Symbolbild KI / Lübke

Deutschland ist nämlich nach dem Ranking der NGO »Reporter ohne Grenzen« gerade einmal wieder im Pressefreiheits-Index ein paar Plätze nach unten gerutscht. Die Schuld daran tragen nicht etwa die sich in unserem Land selbst zensierende Presse oder die Nachbeben der Zensur-Eskapaden von Ex-Innenministerin Nancy Faeser. Auch Friedrich Merz, der gerade einmal wieder beklagte, in den sozialen Medien dürfe sich jeder unter Fantasienamen zu seiner Politik äußern, findet keine Erwähnung im Bericht der »RSF«.

Journalisten, so die NGO, sehen sich zunehmend von »rechts« bedroht und von populistischer Politik. Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Zwischenfall auf einer Corona-Demo in Berlin, von der Dunja Hayali in Panik geflohen war, weil einige der Teilnehmer ihr »Lügenpresse!« zuriefen. So etwas wirkt zutiefst traumatisierend und erschüttert die Psyche einer Journalistin nachhaltiger, als morgens von einem Einsatzkommando heimgesucht zu werden, welches nach dem Ursprung eines regierungskritischen Memes fahndet.

Der nun von der deutschen Presse – vor allem dem »Spiegel« – ausgelöste »Streisand-Effekt« hat auch etwas mit der Selbsteinschätzung deutscher Mainstream-Journalisten zu tun. Der Schauspielerin und Sängerin Barbra Streisand ging es damals bekanntlich um ihre Privatsphäre. Sie hatte ihr Haus auf einem Bild von »Google Earth« entdeckt und sich bei dem Medienkonzern beschwert. Vor der Beschwerde hätte niemand das betreffende Domizil mit ihr in Verbindung gebracht, danach wusste jeder Google-Nutzer, wo sich ihre Bleibe befand. Bei den deutschen Medien ging es um ihre Rolle als politischer Filter und Haltungs-Yoga-Trainer: »Stundenlang darf der Rechtsextremist Björn Höcke beim populären Podcaster Ben Berndt seine radikalen Ansichten vortragen – ohne kritische Nachfragen.

Nun geht das Gespräch im Netz viral. Was über den Gastgeber bekannt ist.«, überschrieb der »Spiegel« seinen Artikel. Björn Höcke wurde bekanntlich bereits von Spiegel-Journalistin Melanie Amann als das Böse unter der Sonne markiert, »geframed« und sogar um ein alkoholfreies Bier erleichtert. Nun legte das Blatt noch eine Schippe drauf und berichtete, der YouTuber Ben Berndt habe bereits mit allerlei üblen Gesellen gesprochen, unter anderem mit den »Hells Angels«. Die beteiligten Journalisten dachten sich wohl, es sei hilfreich, gleich eine doppelte Kontaktschuld zu konstruieren, auch wenn Björn Höcke eher auf dem Fahrrad oder einer »Simson« unterwegs ist als auf einer Harley.

Wir kennen das Spiel zur Genüge: Wer mit den »Bösen« redet, ist selbst »böse«. Waren Journalisten der alten Schule früher stolz darauf, einen richtig üblen Diktator befragen zu dürfen – »Ein Interview mit Kim Jong-Il ist fast unmöglich zu bekommen, aber Karl-Dieter Kaltblut ist es gelungen, ins Innere Nordkoreas vorzudringen!« – so schafft man sich seine Schurken heute selbst. Investigativ-Journalismus, oder das, was sich dafür hält, bedeutet jetzt, scheinbar belastende Zitate auszugraben, im Privatleben und dem Werdegang des Zielobjekts nach Hinweisen auf eine schon immer vorhandene üble Gesinnung zu fahnden und vernichtende Zeugenaussagen von rachsüchtigen Ex-Weggefährten aufzuspüren, die sich noch haarklein daran erinnern können, welche Landkarte in Björn Höckes Klassenzimmer hing. Und das, obwohl sie nach eigenem Bekunden meist im Marihuana-Delirium dort erschienen sind. Diese Kulisse wird letztlich nur aufgebaut, um dem Leser klarzumachen, welches Opfer man gebracht hat, um an diese Informationen zu gelangen. Viel zu gefährlich sei es, so das einvernehmliche Urteil, sich etwa selbst ein Bild zu machen. Allein der »Spiegel«-Journalist oder aber der Vertreter von »Welt« und »Focus« ist charakterlich geeignet, sich mit diesen Details zu befassen und sie gefiltert dem Leser darzubieten. Seine einwandfreie politische Haltung ist sein Biokontaminations-Schutzanzug und sein Universalübersetzer, um aus harmlosen Sätzen Ankündigungen der Erschaffung des »Vierten Reichs« herauszuhören. YouTuber Ben Berndts mehrstündiges Gespräch musste demzufolge mit einem unübersehbaren Warnschild versehen werden: »Zutritt nur für autorisiertes Personal – bleiben Sie ruhig und vertrauen Sie auf die Einschätzung der Behörden!«.

Wären diese Journalisten so klug, wie sie sich geben oder auch nur in Alltagspsychologie rudimentär bewandert, so hätte ihnen eins vorab klar sein müssen: Nach Jahren unverlangter Belehrung und Haltung und Dutzenden Skandalen um dubiose Reportagen im Relotius-Stil musste dies den Leser einfach neugierig machen. Wie eine verschlossene Dose mit leckeren Plätzchen auf dem Küchenschrank. Denn Ben Berndt hatte angekündigt, seinen Gast ohne Unterbrechung sprechen zu lassen, in aller Neutralität. Damit hatte er seinem Publikum etwas geboten, was dies schon fast nicht mehr gewöhnt ist: Unbetreutes Zuhören ohne Erziehungszwang und qualvolle Inquisition. Die Möglichkeit, zu einer eigenen Einschätzung zu kommen, egal zu welcher. Das lockte über eine Million Nutzer auf seinen Kanal, welche sicherlich nicht zum letzten Mal dort vorbeigeschaut haben. Da hatte jemand etwas richtig gemacht, was die »Haltungsmedien« bis heute nicht begriffen haben: Erwachsene Menschen möchten informiert, aber nicht belehrt werden. Vor allem, wenn Bericht nicht klar als Meinung definiert sind, sondern als »Wahrheit« daherkommen.

Leider hat sich aufgrund propagandistischer Dauerbeschallung mittlerweile eine Art »Wagenburgeffekt« eingestellt und die Versuchung, Unerwünschtes vorzufiltern, ist auf beiden Seiten des politischen Spektrums vorhanden. Zweifelsohne sitzt der »Mainstream« aufgrund seiner Geldmittel und eines größeren Personalpools hier noch am längeren Hebel, zumal sich seine Interessen mit denen der etablierten Politik – abgesehen von ein wenig »Coach-Kritik« – weitestgehend decken. Man weiß: Wer sich gegen Merz & Co. stellt, wird bei der nächsten Pressekonferenz am Katzentisch sitzen oder gar ausgeladen werden. Eins muss jedoch klar sein: Sobald davon die Rede ist, man dürfe bestimmte Medien nicht mehr konsumieren, ein gewisses Buch nicht lesen oder müsse seine Meinung an »die Mehrheit« oder eine bestimmte Linie anpassen, dann ist Gegenrede angebracht. Björn Höcke tritt für uneingeschränkte Meinungsfreiheit ein, auch wenn die Meinung nicht die seine ist. Warum bekommen das unsere »demokratischen Journalisten« nicht hin? Wahrscheinlich, weil sie unter Pressefreiheit nur die eigene Freiheit verstehen, andere zu diffamieren. Bei geringstem Gegenwind stilisieren sie den anderen zur Bedrohung – obwohl sie selbst eine Bedrohung für das selbständige Denken sind.

Zuerst hier erschienen: https://www.facebook.com/photo?fbid=10244355105519206&set=a.10206285903652952

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