Sondern die richtig üble Sorte, bei der selbst die Karikaturisten des »Stürmers« rote Ohren bekommen hätten. Selbstverständlich behaupten die Urheber, das sei die übliche »Antisemitismus-Keule«, eine Behauptung, die mittlerweile selbst zur Keule geworden ist, um sich einmal so richtig gegen Juden im Allgemeinen und Israelis im Besonderen auszutoben. Es gibt allerlei Definitionen, wie man berechtigte Kritik von Antisemitismus unterscheiden kann, aber die braucht es in den meisten Fällen nicht mehr, man kann die Bildsprache so deutlich erkennen, wie man einen Rosamunde-Pilcher-Liebesfilm von einem Hardcore-Porno unterscheiden kann.
Derzeit etwa ist das Foto eines israelischen Soldaten im Umlauf, der im Westjordanland in Konflikt mit einer Palästinenserin geraten ist. Es erschien auf dem Cover einer italienischen Zeitung, natürlich ohne Kontext, mit der Schlagzeile »der Missbrauch«. Machen wir es kurz: Der arme Kerl war für die Presse vor allem optisch das ideale Opfer. Nicht alle jüdischen Männer haben nun einmal das Glück, wie Michael Douglas oder Harrison Ford in ihren Glanzzeiten auszusehen, zudem zeigt wohl niemand während eines Wutanfalls sein hübschestes Gesicht. Klick! – erwischt. Da spielte es auch keine Rolle mehr, dass die Palästinenserin den jungen Mann zuvor bis aufs Blut provozierte – und nebenbei gesagt, ebenfalls keine Chancen in einem Schönheitswettbewerb gehabt hätte.
Normalerweise werden israelische Soldaten geschult, auf Provokationen dieser Art zu reagieren, denn man weiß um das Bestreben der Gegenseite, unschöne Bilder zu generieren. Kinder werden dazu angehalten, Steine nach den Soldaten zu werfen, weibliche Soldaten werden immer häufiger auch zum Ziel sexueller Attacken und das längst nicht mehr nur verbal. Halbwüchsige Jungs werden gern vorgeschickt, um sie an den Po zu fassen oder sie als »Huren« zu beschimpfen, immer in der Hoffnung, eine Soldatin könnte ausrasten und körperliche Gewalt anwenden. Im Westen kann man sich schwer vorstellen, dass Eltern ihre Kinder einer derartigen Gefahr aussetzen und ignoriert gern den Stolz arabischer Mütter auf ein mögliches Märtyrertum der eigenen Söhne. Vor Jahren schon wurde Ahed Tamimi, eine hübsche Rothaarige aus einem einschlägigen Terrorclan, zum Teeanger-Idol, deren Charme sogar westliche »Journalisten« wie Tilo Jung verfielen. Ihre Familie hatte zu diesem Zeitpunkt schon zahlreiche Attentate verübt.
Aber warum explodiert gerade jetzt die antisemitische Propaganda in den sozialen Medien? Zum einen ist es etwas still um den Gaza-Streifen geworden, da sich die Welt auf den Kampf um die Straße von Hormus konzentriert. Längst sind die Supermärkte in den Städten wieder prall – eben auch mit einer Menge israelischer Waren, welche die Europäer boykottieren sollen – gefüllt. Zumindest jene, die der Hamas nahestehen, führen ihr gut situiertes Wohlstandsleben weiter und wohnen in rasch wieder aufgebauten Apartments. Aber das ist nicht das Bild, welches der Westen sehen soll, auch nicht die Tatsache, dass die weniger begüterten Gazaner mit falschen Versprechungen auf Lebensmittellieferungen von der Hamas in noch immer umkämpfte Gebiete gelockt werden. Auch damit hofft man auf das Generieren von Opfern für die Kameras. Der »Genozid«-Vorwurf zieht in Europa. Vor allem für Deutsche, die sich allgegenwärtige Holocaust-Gedenkveranstaltungen – so inhaltsleer sie auch sein mögen – getriezt fühlen, sind sie Labsal für die Seele.
Selbst die Klügeren unter ihnen, welche stolz darauf sind, Kommunikations- und Propagandastrukturen zu durchschauen, fallen regelmäßig darauf herein, wenn die Gaza-Lobby den Holocaust für ihre Zwecke kapert. Die Hamas braucht diese Grundstimmung, denn der internationale Druck, ihre Waffen abzugeben, wächst. Es gilt also, eine Art »Notwehrsituation« zu konstruieren. Das hat schon während des Massakers vom 7. Oktober 2023 hervorragend funktioniert, der von Anfang an propagandistisch als »Befreiungsschlag« verkauft wurde. Viele Europäer weigern sich bis heute, sich die – von der Hamas selbst aufgenommenen – Aufnahmen des Massakers anzusehen, um sich das Bild des »edlen Widerstandskämpfers« nicht verderben zu lassen. Wenn sie es nicht ohnehin für eine »false flag«-Aktion der Israelis halten.
Was dank moderner Algorithmen allerdings nicht mehr reibungslos funktioniert, ist die Trennung zwischen interner und externer Kommunikation der pro-Palästina-Blase. Früher konnte man sich mangels arabischer Sprachkenntnisse des europäischen Zielpublikums recht gut darauf verlassen, dass niemandem die unterschiedlichen Propagandamechanismen auffielen, heute werden auch arabische Posts automatisch übersetzt und sind dem Leser in ihrer vollen antisemitischen Pracht zugänglich. Wer sich ein wenig mit dem Thema befasste, dem ist schon seit langem das enorme Tempo bewusst, mit dem die Hamas-Blase vom leidenden Opfer auf ausschweifende Vernichtungsfantasien umschalten kann. Während vor allem die europäische Linke damit beschäftigt ist, die Israelis als die »neuen Nazis« zu verkaufen, schwelgt der arabische Nutzer in offener Bewunderung für Adolf Hitler. Man ist sich nur noch nicht einig, um man den Holocaust leugnen soll – wie es die »Fatah« um Mahmud Abbas praktiziert – oder im Hamas-Stil als Art »Präventionsmaßnahme gegen den Zionismus« feiert.
Selbstverständlich gibt es auch Mischformen, die beim europäischen Publikum gleichfalls Anklang finden: Hitler, so die in diesen Kreisen verbreitete Meinung, war ein zionistischer Agent, der durch den Mord an sechs Millionen Juden die Gründung Israels ermöglichte. Ein Spagat, der es erlaubt, sich zumindest pro forma gegen Hitler auszusprechen und gleichzeitig Antisemit zu sein. Wow! – wenn es nicht so makaber wäre, könnte man sich darüber köstlich amüsieren, vor allem, weil jeder glaubt, seine Erklärung sei die einzig plausible.
Vor diesem Hintergrund wirkt es wie pure Heuchelei, wenn sich Europa darüber echauffiert, wenn sich ein israelischer Politiker einen verbalen Ausraster leistet. Smotrich und Ben-Gvir taugen nicht als Sympathieträger, ihre Aussagen über den Umgang mit Palästinensern gelten in Europa als mehr als grenzwertig und werden fleißig verbreitet. Der Doppelstandard lebt: Während die Hamas vielfach als das Produkt der israelischen Politik betrachtet wird, darf es in Israel keine Produkte palästinensischen Terrors geben. Von Israelis wird unendliche Geduld erwartet, egal, ob ihnen von allen Seiten feindliche Raketen um die Ohren fliegen, werden sie in die Pflicht genommen, zu »deeskalieren«. Es gibt viel Verständnis für palästinensischen Terror, aber nur wenig dafür, wenn Israel der Kragen platzt, wie dem unglücklichen Soldaten, der von einer palästinensischen Aktivistin durch Geschrei und »auf die Pelle rücken« provoziert wurde.
Man könnte noch viel darüber schreiben, warum die europäischen Palästina-Sympathisanten so ticken, wie sie ticken. Selbst wenn sie in ihren Heimatländern längst begriffen haben, wie arabisch-muslimische Strukturen vor Ort funktionieren. Durch das Delegitimieren von Islamkritik als »Islamophobie«, den Aufbau von NGO-Netzwerken und notfalls rohe Gewalt. Linke rechtfertigen das als »Empowerment« der Migrantenszene und sprechen von »Dekolonialisierung«. Aber was treibt Konservative an, welche genau diese Erklärungen bislang als fadenscheinig kritisiert haben? Die sonst für eine »klare Kante« gegenüber den Ausbreitungsbestrebungen des Islams einstehen?
Vielleicht ist Israels Kante »zu klar«: In Israel integrierte arabische Bürger fühlen sich dort in der Regel sehr zu Hause, während Terroristen die volle Härte des Staates zu spüren bekommen. Dazu braucht es die Bereitschaft, konsequent zu handeln – und die geht den Europäern trotz markiger Worte vielfach ab. Man kann nur hoffen, dass irgendwann die Erkenntnis einsetzt, wie sehr Islamisten – und damit auch die Hamas – auch europäische Intellektuelle mit maßgeschneiderter Propaganda am Nasenring durch die Manege führen.
Zuerst hier erschienen: https://www.facebook.com/photo/?fbid=10244183523909773&set=a.10206285903652952
Übernahme mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
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