Die Gates-Stiftung und das US-Softwareunternehmen OpenAI haben eine 50-Millionen-Dollar-Initiative bekanntgegeben, mit der bis 2028 Werkzeuge der künstlichen Intelligenz in die primären Gesundheitsnetzwerke in Ruanda und anderen afrikanischen Ländern eingeführt werden sollen. Der vermeintliche «Philanthrop» Bill Gates hat dieses Projekt auf dem jährlichen Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos angekündigt (ab Min. 7:00).
Das Projekt mit dem Namen Horizon1000 soll angeblich Gesundheitsfachkräfte entlasten und den Zugang zur medizinischen Versorgung verbessern. Dem Portal Reclaim The Net zufolge wirft es allerdings erneut Fragen dazu auf, «wie datengetriebene Systeme an besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen erprobt werden».
Beim WEF bezeichnete Gates den Plan als Durchbruch für Länder mit unzureichenden Ressourcen. «Wir wollen die Einführung von KI-Werkzeugen in der Primärversorgung beschleunigen – in Kliniken, in Gemeinden und in den Haushalten der Menschen», sagte er und lobte die Technologie als einen möglichen «Gamechanger für die Ausweitung des Zugangs zu hochwertiger Gesundheitsversorgung».
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Die Gates-Stiftung und OpenAI geben an, dass ihre «Werkzeuge» bei der Patientendokumentation und bei klinischen Bewertungen helfen und den Gesundheitskräften so mehr Zeit und bessere Entscheidungsgrundlagen verschaffen sollen. Gates betonte, das Projekt werde «Gesundheitsfachkräfte unterstützen, nicht ersetzen».
Der vermeintliche Philanthrop wies auch darauf hin, dass in Subsahara-Afrika schätzungsweise fast sechs Millionen Gesundheitsfachkräfte fehlen würden. Viele Menschen befänden sich dadurch in einer von ihm als «unmöglich» beschriebenen Situation, in der sie «zu viele Patienten mit zu wenig administrativer Unterstützung, moderner Technologie und aktueller klinischer Leitlinien» versorgen müssten.
Reclaim The Net weist in diesem Rahmen darauf hin, dass Krankenhäuser auf der ganzen Welt bereits mit künstlicher Intelligenz experimentieren, «um medizinische Notizen zu automatisieren, Konsultationen zusammenzufassen und potenziell ernste Symptome zu kennzeichnen». Man setze Systeme wie ChatGPT und Gemini ein, um Dokumentationen zu erstellen, für die früher stundenlange manuelle Arbeit nötig gewesen sei.
Fehlende Datensicherheit und andere Gefahren
Diese wachsende Abhängigkeit von algorithmischen Systemen im Gesundheitswesen berge jedoch Risiken, die über bloße Effizienzfragen hinausgingen. Um zu funktionieren, seien diese Modelle auf riesige Datensätze angewiesen, die häufig persönliche oder identifizierbare medizinische Informationen enthielten. In Regionen ohne starke Datenschutzgesetze könne die Grenze zwischen hilfreicher Automatisierung und invasiver Datenerhebung deshalb leicht verschwimmen.
OpenAI-CEO Sam Altman hob derweil das gesellschaftliche Potenzial der Technologie hervor:
«KI wird auf jeden Fall ein wissenschaftliches Wunder sein. Aber damit sie auch ein gesellschaftliches Wunder wird, müssen wir Wege finden, diese unglaubliche Technologie so einzusetzen, dass sie das Leben der Menschen verbessert.»
Bei dieser Aussage sei der Kontext der Umsetzung entscheidend, befindet Reclaim The Net. Afrika sei häufig Ausgangspunkt für groß angelegte Technologie-Pilotprojekte, die von globalen Stiftungen und Unternehmen finanziert werden. Von digitalen Identitätsprogrammen bis hin zur Impfstofflogistik werde der Kontinent oft für frühe Tests ausgewählt, die später globale Gesundheitsstrategien beeinflussen würden.
Gates argumentiere zwar, dies beschleunige Innovation dort, wo Ressourcen knapp seien. Solche Experimente könnten jedoch auch in Umgebungen stattfinden, in denen informierte Einwilligung, Datengovernance und regulatorische Aufsicht noch im Aufbau begriffen oder gar nicht vorhanden seien.
Die Gates-Stiftung behauptet, sie werde die KI-Modelle hinsichtlich Sicherheit, Verzerrungen (Bias) und Genauigkeit überwachen und prüfen, die Technologie schrittweise einführen und an lokale Bedürfnisse anpassen. Ruanda habe beispielsweise ein nationales Gesundheits-Intelligenzzentrum eingerichtet, das KI zur Analyse von Daten auf Gemeindeebene einsetze.
In der Gesprächsrunde beim Weltwirtschaftsforum saß deshalb neben Gates die ruandische Ministerin für Informations- und Kommunikationstechnik und Innovation, Paula Ingabire, die das KI-Projekt und Gates in höchsten Tönen lobte. Was dem «Philanthropen» ganz offensichtlich gefiel, denn er lächelte wohlwollend.
Diesbezüglich muss daran erinnert werden, dass Ruanda auch ein beliebter Platz für deutsche und europäische Experimente ist. So hat das Land dem deutschen Unternehmen BioNTech bereits den roten Teppich für die mRNA-Impfstoffproduktion ausgerollt. Im Dezember 2023 weihten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die ehemalige deutsche Außenministerin Anna-Lena Baerbock dort die erste Anlage für mRNA-«Impfstoffe» ein.
Die Sprache bleibe bei KI-Projekten im Gesundheitsbereich eine dauerhafte Herausforderung, warnt Reclaim The Net. Viele führende KI-Systeme würden hauptsächlich mit englischsprachigen Daten trainiert, was ihre Fähigkeit einschränke, medizinische Begriffe und Symptome zu verstehen, die in lokalen Dialekten beschrieben werden.
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So habe eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus dem Jahr 2023 ergeben, dass medizinische Fragen mit Tippfehlern oder informeller Ausdrucksweise mit einer um sieben bis neun Prozent höheren Wahrscheinlichkeit die falsche Empfehlung auslösten, keine medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Selbst dann, wenn die klinische Bedeutung identisch gewesen sei.
Solche Ergebnisse würden zeigen, wie leicht Trainingsdaten von Modellen Ungleichheiten reproduzieren könnten. Patientinnen und Patienten, die nicht fließend Englisch sprechen oder sich auf nicht standardisierte Weise ausdrücken könnten, würden Gefahr laufen, von genau den Systemen missverstanden zu werden, die ihnen eigentlich helfen sollten.
Die digitale Kontrolle, die Gates und seine Mitstreiter in Afrika einführen wollen, betrifft nicht nur das Gesundheitswesen. Schon Ende 2024 hatte Reclaim The Net davor gewarnt, dass die UNO Afrika als Testfeld für umstrittene digitale ID-Systeme nutzen will.
Was in Berichten als «umfassende Initiative» bezeichnet werde, finde auf dem gesamten Kontinent statt und werde von der UNO-Entwicklungsagentur UNDP, dem UN-Innovationsnetzwerk und sogar der UNESCO (Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur) vorangetrieben. Dies sei einer der Bestandteile des sogenannten «Global Digital Compact» der Vereinten Nationen.
Solche Initiativen werden in diesen Ländern als Möglichkeit verkauft, einen besseren Zugang zu Dienstleistungen zu schaffen und die «digitale Inklusion» zu verbessern, doch Kritiker warnen vor Datenschutzrisiken, da die UNO digitale ID-Systeme in Afrika vorantreibe, um wichtige Dienstleistungen zu verknüpfen, aber damit Überwachungsbedenken auslöse.
Quelle:
Reclaim The Net: Africa Becomes the Sandbox for Bill Gates and OpenAI’s AI Health Experiment – 21. Januar 2026
WEF: Bill Gates – 21. Januar 2026
Spiegel: Warum Biontech jetzt in Ruanda Impfstoff herstellen will – 18. Dezember 2023
Dieser Text erschien zuerst hier: https://transition-news.org/afrika-wird-zum-experimentierfeld-fur-bill-gates-und-openai
Übernahme mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
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