Die Gründe für diese fundamentale Blockade im analogen Raum beruhen sowohl auf einer strukturell-sozial-medialen Barriere als auch auf einer tiefgreifenden, unüberbrückbaren ideologischen Fragmentierung.
Strukturell verharren die unzufriedenen Individuen in einem atomisierten Zustand. Dieses unorganisierte Nebeneinanderher wird durch „Klicktivismus“ kompensiert: Die atomisierten und unzufriedenen Bürger begnügen sich mit rein digitalem Engagement und gleichen ihren Unmut durch Klicks, Likes und Kommentare aus. Dieses Surrogat baut zwar den realen Handlungsdruck ab, behindert aber zugleich das Entstehen weitergehender Aktivitäten sowie die Herausbildung lokaler, regionaler und bundesweiter analoger Organisationskerne an der gesellschaftlichen Basis.
D.h.: Digitale Kommunikationen in den sozialen Medien wie Facebook etc. sind zwar einerseits wichtig zur Gegeninformation und Bestärkung kritischer Positionen. Andererseits fungieren sie aber auch als Ventil und Surrogat (Ersatzhandlung): Der emotionale Druck der aufgestauten Unzufriedenheit wird so im Netz zwar einerseits digital abgebaut, was aber andererseits die Motivation für realen praktisch-konkreten Organisationaufbau und physische /analoge Protestaktivitäten massiv senkt.
Dieser digitale (sozial-mediale) Lähmungseffekt trifft zudem auf eine Szene, die auch inhaltlich und organisatorisch stark zersplittert ist. Es handelt sich um eine rein „negative Koalition“, die sich nur im Modus der Ablehnung einig ist. Sobald konkrete Positionen formuliert werden, brechen unüberbrückbare weltanschaulich-politische Konfliktlinien auf: christlich-konservativ vs. säkular-atheistisch; klassisch-links vs. alt- und neurechts, kapitalismuskritisch vs. kapitalismusapologetisch etc.
Zuordnung der unterschiedlichen Akteure und Publikationen
Diese Bruchlinien der zersplitterten Szene manifestieren sich in Deutschland in fünf unterscheidbaren Lagern[1]:
1. Das Lager „Islamkritik light“
Diese Strömung operiert primär mit Begriffen wie „politischer Islam“ oder „Islamismus“ und trennt den privaten Glauben willkürlich vom umfassenden Gesamtgerüst der weltlichen (politischen) Islamregeln. Obwohl sie im bürgerlich-konservativen oder neoliberalen Spektrum verortet sind, lehnen Akteure dieses Lagers die AfD dezidiert ab.
- Akteure & Organisationen: Michael Stürzenberger und die Bürgerbewegung Pax Europa (BPE), die auf der Straße für diese Form der Aufklärung über den „politischen Islam“ werben. Ebenso medial privilegierte Reformmuslime wie z.B. Ahmad Mansour (Psychologe), Seyran Ateş (muslimische Moscheegründerin) oder die deutsche Ethnologin Susanne Schröter.
- Profil: Sie fordern den Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vor „islamistischen“ Einflüssen, lehnen eine Allianz mit der AfD ab, sondern sind bemüht, das etablierte politisch-mediale Kartell zu beeinflussen.
2. Das Lager der radikalen Aufklärung (Die fundamentale Islamkritik)
Dieses Spektrum lehnt die grundsätzliche Trennung zwischen Islam und „Islamismus“ („politischer Islam) als falsch und verharmlosend ab. Es postuliert, dass der Islam in seinen Kerntexten eine grund- und menschenrechtswidrige, antisäkulare und totalitäre Weltanschauung verkörpert und als Legitimationsgrundlage für eine antiaufklärerische „Herrschaftskultur“ wirkt.
- Akteure & Institutionen: Der gesellschafskritische Autor Hartmut Krauss, der HINTERGRUND-Verlag (als verlegerische Plattform einer kritisch-emanzipatorischen Gesellschaftswissenschaft) und die GAM e.V. (Gesellschaft für wissenschaftliche Aufklärung und Menschenrechte).
- Der Blog diefreiheit.info
- Parteipolitische Doppelabgrenzung: Dieses Lager besetzt eine absolute Sonderstellung. Die Akteure grenzen sich sowohl dezidiert von der AfD als auch vom Block der etablierten Parteien (denen sie ein Totalversagen in der Islam- und Migrationspolitik vorwerfen) ab. Sie nehmen die Position von parteiunabhängigen, systemkritischen Kräften und säkularen Nicht- und Protestwählern ein und betonen die Notwendigkeit einer zivilgesellschaftlichen Oppositionsbewegung gegen die wachsende Islamisierung.
3. Das Lager des säkularen Feminismus
Diese Strömung nährt ihre Islamkritik primär aus frauenrechtlichen Motiven: dem Kampf gegen patriarchale Strukturen, die Unterdrückung von Frauen und Mädchen sowie die Bedrohung sexueller Selbstbestimmung.
- Akteure & Organisationen: Der Verein Frauenheldinnen e.V. (eine Förderplattform für Frauenrechte, die Widerstand gegen religiös-kulturelle Strömungen leistet, welche die rechtsstaatliche Ordnung gefährden) sowie Alice Schwarzer und das Magazin EMMA.
- Profil: Auch hier herrscht eine strikte Abgrenzung zur AfD, da deren traditionelles Frauen- und Familienbild diametral zum säkularen Feminismus steht.
4. Lager: Das AfD-nahe Spektrum: Sieht in der AfD das einzige parlamentarische Sprachrohr zur Durchsetzung einer rigiden Migrationspolitik.
Publikationsorgane:
- Junge Freiheit (JF): Die Wochenzeitung für Debatte und Kultur ist das auflagenstärkste Leitmedium des konservativen bis rechts-affinen Spektrums.
- Das Magazin COMPACT (vom Verfassungsschutz als „rechtsextremistisch“ eingestuft).
- Ehemaliges Institut für Staatspolitik (IfS)/Verlag Antaios (Götz Kubitschek): Ansässig in Schnellroda, gilt dieses Netzwerk als das intellektuelle Herz der AfD-nahen neurechten Strömung.
- Tichys Einblick (TE) & Ansage.org: Während TE sich als liberal-konservatives Meinungsmagazin versteht und formell parteiunabhängig ist, bildet die Leserschaft eine enorme Schnittmenge mit dem AfD-Lager.
- Gerade auch dieses AfD-affine Lager nährt die Illusion, dass die Wahl einer Partei ausreicht, um die Islamisierung zu stoppen. Dadurch wird verhindert, dass sich die Bürger in analogen, zivilgesellschaftlichen Avantgarde-Kernen praktisch-kritisch selbst organisieren.
5. Das Lager der zugewanderten Ex-Muslime. Dieses Lager ist sehr heterogen. Während einige sich nach ihrer Lossagung vom Islam aktiv gegen den Islam engagieren, wählen andere einen rein privaten Rückzug, ohne sich öffentlich zu ihrem Austritt zu äußern. Drei Beispiele für aktivistische Ex-Muslime:
° Mina Ahadi – Fokussierung auf den „politischen Islam“: Als Mitbegründerin und Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime im Jahr 2007 wendet sie sich ebenso wie das erstgenannte Lager nur gegen den „politischen Islam“ sowie insbesondere gegen Menschenrechtsverletzungen wie die Steinigung, Folter und Hinrichtungen im Iran.
° Kian Kermanshahi – grundsätzliche Islamkritik: Aktivisten wie er oder auch z. B. Harris Sultan kritisieren den Islam ähnlich wie das an zweiter Stelle genannte Lager der radikalen Aufklärung als Ganzes und fundamental. Sie argumentieren oft, dass sich der politische Anspruch und die menschenrechtsfeindlichen Dogmen direkt aus den Kerntexten (Koran und Hadithen) ableiten lassen und der Islam inhärent reformfeindlich sei. Viele Ex-Muslime in dieser Gruppe wenden sich dem Atheismus, Agnostizismus oder einem säkularen Humanismus zu.
° Sabatina James – Konvertitin zum katholischen Christentum: Nach einer verweigerten Zwangsheirat in Verbindung mit schweren Repressionen fand sie im katholischen Christentum eine neue weltanschauliche Bindung, die für sie in krassem Gegensatz zu den strafenden und patriarchalischen Strukturen stand, die sie in ihrer Familie erlebt hatte. Aufgrund ihrer Erfahrungen gründete sie den Verein Sabatina e. V., der Frauen unterstützt, die vor Zwangsheirat flüchten, sowie Menschen, die wegen einer Konversion oder dem Abfall vom Islam von ihren Familien bedroht und verfolgt werden.
Um die handlungslähmende Desorientierung der vereinzelten unzufriedenen Bürger zu verstehen, muss man auch das Phänomen der „Ich-AG-Podcaster und Influencer“ im digitalen Raum gewichten. Hierbei handelt es sich um eine potenzielle Blockade für das Entstehen einer realen, analogen Sammlungsbewegung.
Das unüberschaubare Dickicht dieser Akteure, das die Atomisierung der Szene widerspiegelt, lässt sich bzgl. seiner hemmenden Wirkung in drei Dimensionen gewichten:
1. Das Primat der Aufmerksamkeitsökonomie
Im digitalen Ökosystem ist Empörung eine Ware. Unabhängige Podcaster und Influencer unterliegen den wirtschaftlichen Zwängen von Plattform-Algorithmen (Klicks, Abonnements, Spenden, Patreon).]
- Die Folge: Es entsteht ein unerbittlicher Konkurrenzkampf innerhalb der Szene um die endliche Aufmerksamkeit der unzufriedenen Bürger. Statt Synergien zu bilden, führt dies zu einer permanenten Zersplitterung in Kleinstfraktionen. Um sich am Markt zu behaupten, müssen Akteure sich künstlich voneinander abgrenzen, was in permanenten Fehden und gegenseitigen Diffamierungen münden kann. Der Bürger wird dadurch ideologisch und strategisch weiter desorientiert und vereinzelt.
2. Die Verflachung der Analyse durch „Ereignis-Fixierung“
Der Algorithmus belohnt die tagesaktuelle Sensation, nicht das theoretische Fundament. Die Folge: Das Dickicht der Influencer stürzt sich im 24-Stunden-Takt auf den jeweils neuesten „Aufreger-Fall“ (eine sächsische Clantat, einen Messerangriff, ein bizarres Politikerzitat etc.). Diese ununterbrochene Flut an Reizen verhindert, dass der Bürger zur Ruhe kommt, um strukturelle Gesetzmäßigkeiten zu begreifen und sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Die Ich-AGs hingegen bedienen die strategische Reflexionslosigkeit, indem sie den Protest beständig auf dem Niveau emotional erregender „Soforthäppchen“ halten.
3. Die Erzeugung und Stabilisierung einer passiven Konsumhaltung
Influencer leben von der Bindung ihrer Zuschauer via Bildschirm, nicht von deren realer Mobilisierung.
Die Folge: Es entsteht eine „Konsum-Sackgasse“. Der isolierte Bürger entwickelt eine einseitige (parasoziale) Beziehung zu seinem Lieblings-Podcaster etc. Er hat das beruhigende Gefühl, „Widerstand“ zu leisten, indem er ein Video liked, einen kritischen Kommentar hinterlässt oder 5 Euro spendet. Dieses digitale Surrogat baut den realen psychologischen Handlungsdruck ab. Es wiegt den Bürger in einer falschen Aktivität, während es ihn in Wahrheit in maximaler Atomisierung und Passivität vor dem Endgerät gefangen hält und die Islamisierung draußen ungehindert voranschreitet.
Fazit:
Es herrscht zwar ein kalte Bürgerkriegsstimmung im Land zwischen den verfeindeten bipolaren Lagern mit politkriminellen extremistischen Rändern (etablierte Parteien plus Anhang gegen AfD plus Anhang) sowie eine potenziell jederzeit gewalttätige muslimische Zuwandererszene in großstädtischen Ballungsräumen.
Aber solange sich keine breite zivilgesellschaftliche (außerparlamentarische) Protestbewegung gegen die wachsende Islamisierung herausbildet, die aktiv eingreift und einen neuen basisdemokratischen Zusammenhalt stiftet, wird es absehbar bei dem sich aktuell verstärkenden schmutzigen und kalten Stellungskrieg zwischen den bipolaren Lagern bleiben. Dahinter wird sich dann der Islamisierungsprozess weiter fortsetzen.
Dass diese kalte Bürgerkriegsstimmung – etwa anlässlich eines Verbots der AfD – in einen heißen Bürgerkrieg umschlägt, ist in Deutschland strukturell eher unwahrscheinlich. Die Gründe hierfür liegen aufseiten der einheimischen Bevölkerung sowie der assimilierten europäischen Zuwanderer in Folgendem:
1. Überalterung der Gesellschaft („Generation Rollator“ demonstriert nicht mehr auf der Straße)
2. Hyperpluralisierung und Atomisierung der einheimischen Gesellschaftsmitglieder. Die einheimische Gesellschaft ist in unzählige kleine Milieus, Subkulturen und unterschiedlichste Lebensführungsgruppen zersplittert. Zudem fehlt durch die aufgezeigte digitale und soziale Atomisierung die ansprechbare Basis für eine geschlossene, kollektive Mobilisierung breiter Massen.
3. Ein mit postmoderner Vulgärideologie/„Schule gegen Islamkritik“ etc. zumeist gehirngewaschener Nachwuchs im Bildungsverfall mit vermehrt psychischen Problemen.
Dem steht auf der anderen Seite eine migrationsimportierte islamisch geprägte Siedlergemeinschaft mit einem gegensätzlichen Profil gegenüber, die von den am meisten degenerierten Teilen der Einheimischen auf unterschiedliche Weise unterstützt wird (siehe z. B. die Herausbildung einer „islamofaschistischen Einheitsfront“ mit pseudolinker Mimikry nach dem Modell des französischen Islamo-Gauchisme, wie sie zuletzt bei der Wahl in Berlin offen zutage trat.)
Diese kontra-normative (vormodern- antisäkulare) islamische Siedlergemeinschaft weist folgende Merkmale auf:
1. Einen überproportional hohen Anteil von jungen Alterskohorten (überwiegend rückständig-aggressiv-herrische, autoritär-islamisch sozialisierte und sozial alimentierte Integrationsverweigerer mit überproportionaler Kriminalitätsbelastung)
2. Eine relativ hohe sozio-kulturelle und weltanschauliche Homogenität aufgrund der islamisch-normativen Dominanz sowie der festen Einbindung des Einzelnen in autoritär-hierarchische, auf Abgrenzung zur „ungläubigen“ Mehrheitsgesellschaft ausgerichtete Kollektive (Familie, Clan, muslimisches Sozialmilieu, Moscheeverein etc.)
3. Eine militante Einsetzbarkeit des islamisch sozialisierten Jugendüberschusses.
Trotz dieser deutlichen Asymmetrien sehen die meisten Analysten dennoch zunächst keinen klassischen Bürgerkrieg im Entstehen, sondern fokussieren vielmehr folgende Dynamiken:
A. Eine sozio-kulturelle Tribalisierung und die Herausbildung von No-Go-Areas: Demnach kommt es eher zu einer territorialen und sozialen Fragmentierung (Segregation). Bestimmte Stadtteile oder Räume werden informell kontrolliert, ohne dass der Gesamtstaat direkt angegriffen wird.
B. Eine diffuse Konfliktdynamik: Spannungen entladen sich meist punktuell (z. B. Unruhen in bestimmten Stadtteilen, ethnisch-religiöse Clankriminalität oder Ausschreitungen bei bestimmten Ereignissen) und nicht in einem strategisch geführten Krieg.
C. Einen geschwächten, aber immer noch machtbehauptenden Staat: Solange der Staat das Monopol über die Finanzen (Sozialsysteme) und die schweren Waffen (Polizei, Militär) hält, bleibt ein Umsturz oder großflächiger Krieg unwahrscheinlich. Die Machtbehauptung erfordert jedoch immer höheren repressiven, manipulativen und finanziellen Aufwand.
[1] Punktuell kann es Überlappungen zwischen diesen Lagern geben.
