Der Graue Star der Demoskopie: Größenanteil und Einstellungen der Nichtwähler

Im Rahmen der massenmedialen Berichterstattung und bei Umfragen der kommerziellen Meinungsforschungsinstitute wird immer noch primär auf den Block der etablierten Parteien und deren Anhängerschaft geschaut und vor dem wachsenden Anteil des AfD-Lagers gewarnt.
Udo Brechtel, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Unzureichend berücksichtigt wird in dieser vordergründigen und einseitigen Betrachtung der Tatbestand, dass sich ein sehr großer Teil der deutschen Wahlberechtigten (Gesamtmenge 60,51 Millionen) längst von den etablierten Parteien (CDU/CSU, SPD, Grüne, Linkspartei, FDP) abgewendet hat.

So war bei der letzten Bundestagswahl im Februar 2025 nach Zweitstimmen die „Partei der Nichtwähler“ hinter der CDU/CSU (14,16 Millionen) mit 10,61 Millionen die zweitstärkste „Partei“ noch vor der AfD (10,23 Millionen). Zusammen kamen Nichtwähler, AfD, BSW und Sonstige auf knapp 43 Prozent bezogen auf alle Wahlberechtigten. (Zum Vergleich: SPD, Grüne und Linkspartei erreichten zusammen nur knapp 30 Prozent aller Wahlberechtigten.)

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1558422/umfrage/ergebnis-der-bundestagswahl-2025-anzahl-der-zweitstimmen

Betrachten wir das polarisierende Kernthema „Islam und Migrationspolitik“, so zeigen Studien der politischen Einstellungsforschung sowie aktuelle Umfragen regelmäßig, dass die Befürwortung einer restriktiveren Migrationspolitik sowie eine kritisch-skeptische Abwehrhaltung gegenüber dem Islam und dessen Ausbreitungstendenzen bis weit in die Parteien der sog. Mitte hineinreichen und keine exklusiven AfD-Themen sind.

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So befürworten laut repräsentativen Erhebungen rund 70 Prozent der Deutschen schärfere Regelungen beim Thema Migration und Flüchtlinge und fordern eine stärkere Begrenzung der irregulären Zuwanderung. Ebenfalls ca. 70 Prozent sind der Auffassung, dass der Islam inhaltlich-normativ nicht zu Deutschland gehört. Zusammenfassend bestätigen Studien, dass entgegen diskriminierender Etikettierungen wie „antimuslimischer Rassismus“ oder „Islamophobie“ die freiheitlich-säkulare Grundorientierung der Mehrheit der deutschen Wahlberechtigen der Hauptgrund für die kritische Skepsis gegenüber dem Islam ist.

Dabei wird die Zahl der Islamkritiker und Kritiker der Migrationspolitik, die nicht zum Kern-Wahlklientel der AfD gehören und sich auf Nichtwähler und Anhänger der etablierten Parteien verteilen, auf ein Wählerpotenzial von 20 bis 40 Millionen Menschen geschätzt.

Innerhalb der Masse der Nichtwähler gibt es wiederum eine bislang unzureichend erfasste und erforschte Gruppe von Personen mit einem im weitesten Sinne säkular-demokratischen Einstellungsbild, die sowohl den Islam als auch die AfD ablehnen. Diese Gruppe, die auf ca. 3 bis 5 Millionen geschätzt wird, bildet einen zentralen Teil des sogenannten „demokratischen Nichtwählerlagers“, das sich bewusst von der bipolaren Kampfszene zwischen den etablierten Parteien und der AfD abgrenzt und im aktuellen Parteiensystem keine adäquate Repräsentation für ihre säkular-demokratischen Kernüberzeugungen findet.

Wahlberechtigte in diesem Segment lehnen den Islam und seine einheimischen Unterstützer zumeist aus einer aufklärerischen, feministischen oder liberal-säkularen Perspektive ab (Kritik an patriarchalen Strukturen, fehlender Trennung von Staat/Politik und Religion, Ungläubigenfeindlichkeit etc.). Gleichzeitig distanzieren sie sich deutlich von der AfD, da sie deren völkisch-nationalistische, zum Teil marktradikale, autoritär-rechtskonservative bis zum Teil rechtsextremistische Ausrichtung ablehnen. D. h.: Das massenmedial verbreitete Narrativ „Islamkritik=AfD=rechts“ ist realitätswidrige Propaganda im Interesse der etablierten Parteien.

Während CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und Linkspartei jahrelang wie eine aufklärungsfeindliche Einheitspartei in Sachen Schönfärbung und Verharmlosung des Islams, pauschaler Verleumdung von Islamkritik und kontrafaktischer Verteidigung und Beschönigung der unregulierten und großenteils irregulären Masseneinwanderung agierten und bis jetzt weiterhin agieren, verspielten sie die Zustimmung großer Teile der Bevölkerung und trieben damit der AfD Wähler und Mitglieder in die Arme, die oftmals mit „gesichert rechtsextremistischer“ Ideologie überhaupt nichts im Sinn haben, sondern in der AfD schlicht das „kleinere Übel“ sehen.

Infolgedessen kam es zu der paradoxen Konstellation, dass zum einen ein eigentlich klassisch linkes Projekt, nämlich die emanzipatorische Kritik an einer durch und durch antihumanistischen religiösen Herrschaftsideologie und ihren reaktionären Befolgern, von einer „rechtspopulistischen“ Partei adaptiert und wahlpolitisch monopolisiert werden konnte.

Zum andern wird im Rahmen der postmodernen Geistesverwirrung emanzipatorische Religions- und Herrschaftskritik seitens der spätkapitalistischen Systemideologen in tatsächlich volksverhetzender Weise als „Islamophobie“ bzw. „antimuslimischer Rassismus“ stigmatisiert oder sogar in totaler Verkehrung der Sachverhalte generell „nazifiziert“. Damit will man in perfider Manier von der eigenen – eigentlich verfassungswidrigen – Kumpanei mit einer grund- und menschenrechtwidrigen Weltanschauungsgemeinschaft ablenken.

Es ist folglich von dem Kerntatbestand auszugehen, dass islam- und migrationskritische Haltungen in Deutschland mehrheitsfähig sind, ohne dass dies – wie vielfach demagogisch propagiert – mit einer rechtsextremen Gesinnung einhergeht. Eher ist das Gegenteil der Fall: Der Islam und seine undistanzierten Befolger werden als reaktionär-repressive Bedrohung wahrgenommen und gleichzeitig deren einheimische parteipolitische Unterstützer und Schönfärber strikt abgelehnt.

Zusammenfassend zeigen die Daten, dass potenziell ein Viertel bis ein Drittel der Wählerschaft für ein politisches Angebot offen ist, das die säkulare Lebensordnung radikal gegen islamische und politische Extremisten verteidigt, ohne dabei die freiheitlich-demokratische Überzeugungsgrundlage aufzugeben.

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