Brasilien: Eine Wahl mit historischer Bedeutung für Lateinamerika und die Welt

Am Sonntag wird in Brasilien ein neuer Präsident gewählt. Es geht nicht nur um eine innenpolitische Entscheidung zwischen dem linken Lula da Silva und dem rechten Flavio Bolsonaro. Es geht um Globalismus gegen Patriotismus. Es geht um China gegen die USA. Und es geht darum, ob Donald Trumps Ziel einer US-geführten patriotischen Allianz in beiden amerikanischen Subkontinenten nun auch auf das größte Land Lateinamerikas durchgreift.
Symbolbild KI / R4

Brasiliens Linke muss um den Präsidentenpalast zittern. Wenige Wochen vor der Wahl ist der Vorsprung von Luiz Inácio Lula da Silva nahezu verschwunden, während Flávio Bolsonaro – der Sohn des aus politischen Gründen inhaftierten Ex-Präsidenten – immer stärker aufholt (wir haben berichtet).

Eine Umfrage des Instituts Datafolha vom 24. September sieht Lula im ersten Wahlgang leicht vorn. Für die nahezu sicher geltende Stichwahl am 24. Oktober sieht diese Agentur jedoch ein Patt. Laut Datafolha sind noch 18 Prozent der Wähler unentschlossen. In einem zweiten Wahlgang käme Lula demnach auf 47 Prozent, Flávio Bolsonaro auf 45 Prozent. Eine Umfrage des Instituts Palver zeichnet ein anderes Bild: Dort liegt Bolsonaro in einem zweiten Wahlgang mit 48 Prozent vor Lula, der nur auf 45 Prozent käme.

Wofür Lula steht

Lula war in der Corona-Politik ein Hardliner. Voll auf Linie der WHO machte er Panik und trommelte für die „Impfung“. Arme Familien wurden de facto gezwungen, ihre Kinder „impfen“ zu lassen, da Lulas Regierung die Einhaltung des Impfplanes zur Voraussetzung für den Bezug von Sozialleistungen machte. Lula tut sich auch in der „Klimapolitik“ international hervor, will die Last allerdings einseitig den traditionellen Industrieländern aufbürden, während er selbst die Erdölgewinnung in der Amazonasmündung vorantreibt.

In der Geopolitik hat Lula das Land stark auf China ausgerichtet. Unter seiner Präsidentschaft wurde die Diktatur in Peking zum wichtigsten Wirtschaftspartner. China zog beim Handelsvolumen und bei Investitionen in Brasilien bereits deutlich an traditionellen Partnern wie den USA und der Europäischen Union vorbei. Brasilien exportiert vor allem Agrargüter (wie Soja) und Eisenerz nach China, während China im Gegenzug massiv in Brasiliens Infrastruktur-, Energie- und Innovationssektor investierte. Die geopolitischen Beziehungen haben unter Lula eine historische Intensität erreicht, wobei beide Staaten eine engere Zusammenarbeit im Rahmen des BRICS-Bündnisses vorantreiben.

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Im Nahost-Konflikt nahm Lula eine rabiat antiisraelische und proislamische Haltung ein. Er verglich allen Ernstes das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza – gegen Mörderbanden, die sich hinter Zivilisten verschanzen – mit dem systematischen und gezielten Massenmord an den europäischen Juden durch die Nazis. Lula kündigte außerdem die Aufstockung der Hilfszahlungen Brasiliens für das – von der Hamas durchsetzte – Palästinenserhilfswerk UNRWA an. Und er machte auch den iranischen Mullahs die Mauer, deren Aufnahme in die BRICS er forcierte, während er den Krieg gegen die Schlächter in Teheran als „Wahnsinn“ verurteilte.

Wofür Bolsonaro steht

Flavio Bolsonaro agiert als Nachfolger und Vertreter seines Vaters Jair Bolsonaro, den das globalistische Regime in Brasilien nach Protesten gegen Wahlbetrug wegen eines angeblichen Putschversuches ins Gefängnis geschickt hat. Vater und Sohn unterscheiden sich in allen Grundfragen von der Politik Lulas.

Jair Bolsonaro verweigerte sich als Präsident 2020/21 der Panikmache der Globalisten und stellte das Virus auf eine Stufe mit einer Grippe. Er bekämpfte restriktive Maßnahmen wie Ausgangssperren oder Geschäftsschließungen massiv. Bolsonaro sen. trat bei öffentlichen Kundgebungen regelmäßig ohne Maske auf. Da einige Bundesstaaten eigene Quarantänemaßnahmen verhängten, lieferte sich Bolsonaro erbitterte politische Kämpfe mit regionalen Gouverneuren und bürdete ihnen die Verantwortung für wirtschaftliche Probleme auf. Er zweifelt an Sicherheit und Wirksamkeit der mRNA‑Injektionen und weigerte sich öffentlich, sich selbst „impfen“ zu lassen. Seine Regierung verzögerte den Ankauf der Geninjektionen monatelang. Stattdessen warb er für das entzündungshemmende Medikament Ivermectin.

Schon Jair Bolsonaro war skeptisch gegenüber der Klimaagenda der Globalisten. Sein Sohn betonte im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf, dass er extreme Wetterereignisse wie Hitze, Dürren oder starke Regenfälle als Teil natürlicher, zyklischer Effekte ansieht. Er bestreitet, dass diese Phänomene direkt oder ausschließlich auf den menschlichen Einfluss zurückzuführen sind. Er steht auch den internationalen „Klimaabkommen“ ablehnend gegenüber.

Flávio Bolsonaro positioniert sich im Gazakrieg vehement an der Seite Israels. Er bezeichnete Lulas Außenpolitik im Zuge des Gazakriegs als „schandbar“ und warf ihm sowie seinen Beratern vor, antisemitische Positionen zu vertreten und Terrororganisationen wie die Hamas moralisch zu unterstützen. Er kritisierte, dass Brasilien unter Lula den Botschafter aus Israel abgezogen und stattdessen normale diplomatische Beziehungen zu Akteuren wie dem Iran aufrechterhalten hat, Anfang 2026 besuchte Flávio Bolsonaro gemeinsam mit seinem Bruder Eduardo Israel. Dabei besichtigten sie unter anderem die Schauplätze der Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023, um die israelische Perspektive des Konflikts medial zu untermauern. Für den Fall seines Wahlsieges kündigte Flávio Bolsonaro offiziell an, die brasilianische Botschaft innerhalb der ersten sechs Monate seiner Amtszeit von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen.

Bolsonaro, der sich eng am Trumpismus orientiert, verfolgt im laufenden Präsidentschaftswahlkampf 2026 eine klare geopolitische Neuausrichtung Brasiliens: Er fordert eine enge strategische Allianz mit den USA und eine bewusste Abkehr von China. Bolsonaro warb in den USA aktiv dafür, Brasilien als geopolitische Alternative zu China für kritische Ressourcen zu positionieren. Er bietet den USA vermehrt brasilianische Seltene Erden an, um die amerikanische Abhängigkeit von China (das rund 70 % des weltweiten Abbaus und über 90 % der Verarbeitung kontrolliert) in Schlüsseltechnologien und der Rüstungsindustrie zu verringern.

Trumps Sicherheitsdoktin

Am 5. Dezember 2025 haben die USA unter Donald Trump ihre neue Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) veröffentlicht. Darin wird der Fokus auf den amerikanischen Doppelkontinent gelegt. Der unipolare globale Machtanspruch wird durch multipolaren Realismus ersetzt.

Das Dokument markiert eine tiefgreifende Veränderung in der Außenpolitik der USA in der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump – auch im Vergleich zu seiner ersten Amtszeit. Dieses 33-seitige Papier bekennt sich ausdrücklich zur Doktrin „America First“ und lehnt globale Hegemonie und ideologische Kreuzzüge ab. Es stützt die Strategie der USA auf drei Säulen: Heimatschutz, westliche Hemisphäre und wirtschaftliche Erneuerung.

In der China-Politik wurde offenbar das Scheitern der bisherigen Ausrichtung anerkannt. Angestrebt wurden „für beide Seiten vorteilhafte“ Beziehungen, jedoch durchaus mit Stärke und offenen Optionen (so wird Taiwan als „Priorität“ genannt). Man will mit China keine vollständige Entkopplung, aber Beschränkungen in Bezug auf Technologie/Abhängigkeiten.

Geopolitisch läuft das wohl auf regionale Hegemonialmächte hinaus. Man ist wohl bereit, China auch gewissen Einfluss in Südostasien und vielleicht auch in Afrika zu lassen. Aus Lateinamerika wird man China, das dort mit einem Handelsvolumen von über 500 Mrd. US-Dollar (2024) längst der zweitgrößte Handelspartner ist, aber zu verdrängen suchen. Auf lateinamerikanische Rohstoffe wie Lithium und Kupfer wird man selbst zugreifen wollen, den chinesischen Einfluss im Bereich der Infrastruktur wird man brechen wollen.

Und die USA kehren unter Präsident Trump faktisch wieder zur Monroe-Doktrin des 19. Jahrhunderts zurück. Die USA beanspruchen Vorherrschaft über den amerikanischen Doppelkontinent. Welche andere Großmacht sich hier störend einmischt, soll konsequent bekämpft und zurückgedrängt werden.

James Monroe, US-Präsident von 1817 bis 1825, hatte 1823 seine außenpolitische Doktrin verkündet: keine Einmischung in europäische Angelegenheiten, jede Einmischung der anderen Großmächte (damals der Europäer) in Amerika wird als feindseliger Akt gegen die USA betrachtet. Andrew Jackson, Präsident von 1829 bis 1837 und als Gegner der Eliten und Vertreter der einfachen Leute das erklärte Idol Trumps, hatte diese Politik fortgesetzt und gilt als Isolationist.

USA, Lateinamerika und die Globalisten

Diese Politik gegenüber dem amerikanischen Doppelkontinent war in der bisherigen Amtszeit Trumps bereits erkennbar. Das gilt bezüglich des Panamakanals, wo Trump bereits im Frühjahr einen Rückzug eines chinesischen Konzerns und die Übernahme von Häfen durch US-Investoren erzwungen hat. Das gilt für Venezuela, wo die USA ein feindliches Regime unter Druck setzen und zur Anpassung an die USA zwangen. Und das gilt für Grönland, wo die Trump-Regierung ein Abkommen mit Dänemark durchsetzte, das den USA weitreichende militärische und ökonomische Kontrolle garantiert.

Darüber hinaus regieren in einer Reihe von Ländern bereits trumpfreundliche Kräfte. Dabei ist insbesondere Argentinien mit seinem Präsidenten Javier Milei zu nennen. Ebenfalls antiglobalistische oder rechte oder US-freundliche Regierungen bestehen in El Salvador, Honduras, Ecuador, Kolumbien, Peru, Bolivien, Chile und Paraguay.

Linksgerichtete Kräfte, die bei diversen Agenden des Globalismus mitspielen, existieren gerade noch in Mexiko, Kuba und eben Brasilien. Das kubanische Regime wird von Washington seit einigen Monaten verstärkt unter Druck gesetzt. Und in Brasilien fällt am Sonntag die Entscheidung, ob Lateinamerika völlig patriotisch und US-freundlich sein wird. Ein Sieg für Bolsonaro am Sonntag wäre eine klatschende Ohrfeige für China, für die BRICS, für die WHO, die UNO, die EU-Führung und den Globalismus insgesamt.

Dieser Beitrag erschien zuerst hier: https://report24.news/brasilien-eine-wahl-mit-historischer-bedeutung-fuer-lateinamerika-und-die-welt/