Aktuelles Unterhaltungsfernsehen – woke und langweilig

Das Bedürfnis nach erfreulicher Unterhaltung wird von neuen TV-Produktionen kaum mehr erfüllt. Stattdessen gibt es spießig-woke Belehrungen. Ein Kommentar.
O.Ortelpa, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Im Zuge der Kritik an den Leitmedien, mit Blick auf eine angemessene, das heißt wahrheitsgemäße Berichterstattung, kommt das Bedürfnis der geschundenen Seele auf erfreuliche Unterhaltung, wie ich finde, einfach zu kurz.

Gerade auch an Wochenenden, wo die Vorlaufzeit auf das Zu-Bett-Gehen durchaus etwas ausgedehnt werden kann, wünscht man sich gelegentlich mal einen schon etwas älteren französischen Spielfilm aus Zeiten, wo fast alle Darsteller rauchten, man fast überall so schnell fahren konnte, wie man wollte, und die Drehbücher so gestrickt waren, dass die Darstellerinnen und Darsteller irgendwelche außerehelichen Verhältnisse hatten.

Die konnten dann durchaus auch für Komplikationen gut sein,  aber nicht für gesellschaftliche Verdammnis. Handfeste Auseinandersetzungen waren an der Tagesordnung und selbstverständlich wurden auch krumme Dinger gedreht. Das war eher selten tödlich und so angedacht, dass man über durchaus Menschliches auch erheitert sein konnte, so denn eine gewisse Humorfähigkeit unterstellt werden durfte.


Solche Filme hinterließen stets so etwas wie ein Gefühl der Befreiung. Sie wirkten wie ein Antidepressivum. Die eigenen Unzulänglichkeiten, Verfehlungen oder unangenehmen Vorkommnisse wurden klein, im Vergleich zu dem, was man zu sehen bekam und wenn nicht… na ja dann eben auch nicht. Aktuell führt das entspannungsbedürftige Zappen durch die beschworene Vielfalt der Programme eher selten zu solchen Erlebnissen und Erinnerungen an frühere Tage.

Ich habe mich gefragt, wie sich solche alten Filme eigentlich auf Jugendliche auswirken können. Immerhin könnte man unterstellen, dass ein hier dargestelltes Lotterleben, das von Gesetzesuntreue nur so strotzt, eine negative erzieherische Funktion hat. Ob sich jüngeren Leuten möglicherweise auch vermittelt, dass es zu diesen Zeiten nur einen (wenn überhaupt) kaum wahrnehmbaren Anteil an medialer Bevormundung gab, das weiß ich nicht. Immerhin würde das voraussetzen, dass sie, also die jüngeren Leute, zu gesellschaftskritischen Analysen fähig sind, einer Fähigkeit, die man irgendwie erlernt haben muss.

Nun waren die Medien vor etwa 40 Jahren auch nicht unbedingt aufklärerisch unterwegs und die Schulen auch nicht, aber die Produktion von Bullshit war noch nicht in den Rang von Volksbelehrung erhoben worden. Erklärend sei hier hinzugefügt, dass wir den Begriff Bullshit in der Soziologie dem US-amerikanischen Philosophen Harry G. Frankfurt verdanken, der dazu ein kleines Buch geschrieben hat, welches sehr zu empfehlen ist.

Kurz gefasst erfahren wir darin, dass ein Lügner deshalb ein Lügner ist, weil er (oder sie) die Wahrheit kennt. Anderenfalls ist der proklamierte Blödsinn einfach nur Bullshit und kommt dabei gut weg, da böse Absicht nicht zwingend unterstellt werden kann.

Was bei dieser Betrachtung zu kurz kommt, ist die aktuell erlebte Volksbelehrung, die eher dezent daher kommt. So z. B. in der Werbung, wo bei bestimmten Produkten oder Dienstleistungen mit einem familiären Bezug die aktuelle Familie mit mindestens einer dunkelhäutigen Person in Erscheinung tritt. So etwas kommt vor und kann ja auch ganz nett sein, aber Standard ist es nicht und warum sollten wir auch eine solche Familienpolitik bewusst betreiben? Wo ist der Vorteil?

Die ARD hatte am 21.11.25 einen Krimi gesendet, der mit einem kleineren Teil ehemaliger Darsteller aus „Liebling-Kreuzberg“-Zeiten, an die humorvollen Filme mit Manfred Krug erinnern sollte… dachte man. Man hätte in einem solchen Zusammenhang erwarten dürfen, dass ein ähnlich originelles Mannsbild als Nachfolger die Kanzlei übernommen hätte, wobei ja nicht die exakt gleichen Sujets hätten bedient werden müssen.


Es gibt allerdings so etwas wie eine Stimmung, die in einem Drehbuch schwingt. Im Falle von Manfred Krug war das eine Mischung aus anwaltschaftlicher Unbestechlichkeit und Klasse, Humor und einem zugleich gesellschaftlich unangepasstem Verhalten. Der Herr Anwalt rauchte Zigarren, fuhr ein großes Motorrad und liebte Süßspeisen und… Frauen. Krug war der Ausbund eines Genussmenschen, was einen Teil seiner Popularität begründete.

Was die ARD aber geboten hat, war das exakte Gegenteil, gewissermaßen das woke Kontrastprogramm. Die Kanzlei wird von Frauen geführt, die an keiner Stelle originell sind, sondern ganz außerordentlich brav. Da wagt niemand zu rauchen oder gar Motorrad zu fahren und irgendwelche „Verhältnisse“ gibt es auch nicht. Dafür aber im Verlaufe der Handlung den Hinweis darauf, dass es endlich Zeit ist, eine gendergerechte Medizin einzuführen. Natürlich hat ein gegnerischer Anwalt dann auch dunkle Hautfarbe. Auch der Straßenmusikant, dem eine Rolle zugedacht wurde, wird dazu benutzt, auf die gesellschaftliche Vielfalt zu verweisen, die es so dringend zu verteidigen gilt.

Schade für die Darsteller, die sich redlich Mühe gegeben haben, aber so etwas als eine Fortsetzung der von Jurek Becker geschriebenen,  ganz wunderbaren Manfred-Krug-Serien verkaufen zu wollen, ist einfach jämmerlich. Zugleich passt es aber in diese Zeit, deren minderheitliche Betulichkeiten bei Zurückweisung vermeintlich toxischer Männlichkeit, ein Milieu entstehen lassen, das keine gesellschaftlichen Kanten, kein „aus der Spur laufen“ mehr gestattet, dabei jedoch zu nichts weiterem gerinnt als zu einer großen Peinlichkeit.

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