Bestätigt wird damit einmal mehr der folgende Grundsachverhalt: Je enger kulturell-normativ gegensätzlich sozialisierte und orientierte Gruppen institutionell fremdbestimmt auf engem Raum zusammengeführt werden und diese Gegensätzlichkeit geleugnet wird, desto höher das Konflikt- und Gewaltpotenzial. Hinzu kommt als verstärkender Faktor die digitale Durchdringungsmacht der sozialen Medien, die zunehmend Einfluss auf die alltägliche Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen ausüben.
56 Prozent der Berliner Lehrkräfte sehen Gewalt und Konflikte an der eigenen Schule als großes oder sehr großes Problem. Besonders stark betroffen sind die Grundschulen, an denen der Migrationsanteil bei Schulanfängern stetig steigt. Jedes zweite Kind kommt hier statistisch aus einer „Familie mit Einwanderungsgeschichte“.

Hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:
• 79 Prozent der Lehrkräfte an stark belasteten Schulen sagen, dass der normale Schulbetrieb unter den Konflikten leidet, da diese zu viele Ressourcen binden.
• 61 Prozent der Lehrer beobachten eine Zunahme der Gewalt seit der Corona-Pandemie.
• 25 Prozent der befragten Schüler gaben an, im aktuellen oder vergangenen Schuljahr geschlagen, getreten oder geboxt worden zu sein.
• 7 Prozent der Schüler in Oberschulen haben aus Angst schon einmal ein Messer mit zur Schule gebracht.
Ein Drittel (33 Prozent) der Konflikte entzündet sich am Aussehen oder dem Kleidungsstil.
Zudem verlagern sich Konflikte zunehmend ins Internet. Sie eskalieren in WhatsApp-Gruppen oder auf TikTok weiter und kehren am nächsten Tag heftiger in den Schulalltag zurück.
Ein Faktor ist auch repressiver islamischer Konformitätszwang: 11 Prozent der Schüler in den Klassen 9 und 12 erleben Druck, „religiöse“ Regeln einzuhalten. 40 Prozent der muslimischen Neuntklässler finden, dass religiöse Regeln Vorrang vor Schulregeln haben sollten. Bei christlichen Schülern sagen das immerhin 33 Prozent – und selbst unter den Schülern ohne Religionszugehörigkeit sind es 19 Prozent.
Ein Drittel der Lehrer sieht Antisemitismus als großes Problem, jeder vierte sorgt sich vor „Islamismus“.
Zudem berichtet die Hälfte der Neuntklässler, dass über sie Gerüchte und Lügen verbreitet würden.
Ca. 55 bis 57 Prozent aller Berliner Schüler haben einen Migrationshintergrund. Der Anteil von Schülern, in deren Familien nicht deutsch gesprochen wird, liegt berlinweit bei über 40 Prozent. Etwa ein Drittel der Gesamtschülerschaft sind Muslime.
Fakt ist zudem, dass neben den nichtdeutschen Erwachsenen auch nichtdeutsche Jugendliche und Zuwanderer mit oftmals islamischen Hintergrund in den Statistiken der Gewaltkriminalität im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung deutlich überproportional vertreten sind. So zeigen Sonderauswertungen, dass jugendliche Fluchtmigranten (vor allem aus Syrien und Afghanistan) bei Delikten wie Raub oder schwerer Körperverletzung eine statistisch deutlich höhere Belastungszahl aufweisen als deutsche Gleichaltrige.
„Als ‚Kernergebnis‘ beschrieben die Wissenschaftler, dass sie als die wichtigste Ursache der verbreiteten und zunehmenden Gewalt unter Schülerinnen und Schülern eine ‚geringer gewordene Impulskontrolle und Frustrationstoleranz‘ bewerten: ‚Kleinigkeiten eskalieren schnell‘. Diese Abnahme der Impulskontrolle sei an Grundschulen besonders verbreitet.“[1]
Hier dürften zwei sozialpsychische Mechanismen eine Rolle spielen: Zum einen gilt für den islamisch-patriarchalischen Sozialisationskontext, dass Moral, soziale Ordnung und individuelles Verhalten primär über externe Kontrollmechanismen und gesellschaftliche Institutionen abgesichert werden, anstatt sich hauptsächlich auf die verinnerlichte Gewissensbildung des Einzelnen zu verlassen. D.h. Es geht im muslimischen Erziehungskontext in erster Linie um die autoritäre Durchsetzung von Moral von außen anstelle von innen – auf Vorkehrungsmaßnahmen anstelle von verinnerlichten Verboten (Impulskontrolle)[2].
Zum anderen gilt für viele einheimische Kinder und Jugendliche eine Ausdünnung der Interaktionen mit ihren doppelverdienenden Eltern sowie eine tendenzielle Laisser-faire-Haltung der gestressten Eltern gegenüber ihrem Nachwuchs bei gleichzeitiger Einflussmacht der sozialen Medien mit ihren diversen Influencern, was Dauererregung und Frustrationsintoleranz triggern kann.
[1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/zunehmende-verrohung-der-kinder-und-jugendlichen-konflikt-und-gewaltbarometer-offenbart-exorbitante-belastungen-bei-berliner-schulern-15737961.html
[2] Siehe z. B. Nazih Ayubi: Politischer Islam. Religion und Politik in der arabischen Welt. Freiburg 2002, S.58ff.
Zum Weiterlesen:
