So mancher Leser wird verwundert sein und sich die Frage stellen, was die Buchbesprechung eines Erotikmärchens hier zu suchen hat. Einen ersten Anhaltspunkt bietet die im Untertitel erwähnte Gesellschaftskritik. Wer hier jedoch lediglich eine oberflächliche, pseudolinke Kapitalismuskritik erwartet, wird überrascht sein – denn in diesem Roman geht es wirklich zur Sache. Hier wird grundsätzlich und umfassend mit den Fehlentwicklungen der letzten Jahre satirisch abgerechnet.

Der Roman spielt größtenteils in Deutschland und erstreckt sich über drei Zeitebenen: Mittelalter, Gegenwart und Zukunft. Das Werk beginnt in einer Dystopie des Jahres 2115, die als Rahmengeschichte dient. In dieser Zeit lebt eine junge Frau namens Angela. Der Vorname ist zu dieser Zeit sehr häufig – eine Folge des geradezu grotesken, quasi-religiösen Angela-Merkel-Kults, der stark an das heutige Nordkorea erinnert. Die Einwanderungspolitik dieser Kanzlerin hatte eine umfassende digitale Überwachung der Bürger notwendig gemacht. Die Menschen bezahlen nur noch digital mit implantierten Chips, es gibt praktisch keine Privatsphäre mehr. Durch Gehirnwäsche und sozialen Druck werden sie zu permanenten Impfungen genötigt, die ihnen unablässig als sicher und wirksam verkauft werden – obwohl deren Wirkungslosigkeit und Gefährlichkeit offenkundig sein müssten. Diese Impfungen führen zu kognitiven Einschränkungen, Todesfällen, schweren Infektionen und Behinderungen. Aufgrund der injektionsbedingt herabgesetzten Denkleistung sind die Menschen jedoch nicht mehr in der Lage, diese Zusammenhänge zu erkennen, und marschieren in regelrechten Lemmingzügen in die Impfstraßen.
Wahlen sind abgeschafft, die Weltregierung liegt in den Händen der WHO. Die Menschen leben in 15-Minuten-Städten und glauben an eine Wissenschaftsreligion, die von Multikulti-Überzeugung, Genderideologie, Impffanatismus und Klimawahn geprägt ist. Das Freiheitsgefühl wird durch Gehirnwäsche und Propaganda induziert – es handelt sich um die Illusion der Freiheit, genauer gesagt um eine sehr selektive Form davon, die sich vor allem auf die staatlich geförderte sexuelle „Freiheit“ beschränkt. Auch in den Humor wird staatlich eingegriffen: Der Fasching wurde durch Genderideologie und Antidiskriminierungsrichtlinien abgeschafft und behördlich verboten. Für Unterhaltung sorgen nun ausschließlich systemkonforme Komiker.
Die Menschen leben in einer politisch-medial induzierten Pseudorealität und vertrauen einer Wissenschaft, die sie angeblich vor den permanent grassierenden Infektionen schützen soll. Diese Wissenschaft hat außerdem herausgefunden, dass es 327 Geschlechter gibt. Durch staatlich geförderte Geschlechtsumwandlungen und die permanente Propagierung sexueller Vielfalt reden die Menschen nur noch über solche Pseudo-Themen und nicht mehr über Politik. In einem geradezu dialektischen Gegensatz zu dieser pseudotoleranten, durchgewokten Multikulti-Regenbogen- und BDSM-Gesellschaft steht die islamische Community, die auch im frühen 22. Jahrhundert noch nicht integriert ist und nach wie vor eine (teilweise ausgesprochen aggressive) Parallelgesellschaft bildet. Genau diesen unüberwindbaren Gegensatz können die Menschen jedoch – bedingt durch die Kombination aus Gehirnwäsche und reduzierter kognitiver Leistungsfähigkeit – nicht erkennen.
Angela repräsentiert den Prototyp der angepassten, wirtschaftlich vom Staat abhängigen Intellektuellen, die nicht in der Lage ist, all diese Widersprüche und offensichtlichen Zusammenhänge wahrzunehmen. Sie reproduziert unreflektiert die staatliche Diversity-Propaganda und sämtliche eingelernten Phrasen. Das große (offenbar fiktive) Feindbild, das diese Gesellschaft eint, ist das Konglomerat aus Rechtsextremismus, Verschwörungstheorien und Falschinformationen. Hierfür wurden – in Analogie zu George Orwells „1984“ – eigene Ministerien eingerichtet, in denen Angela arbeitet und Karriere macht. Es gibt allerdings einen Bereich, in dem sie von der offiziellen Linie abweicht: ihr Sexualleben. Obwohl sie eine ausgeprägte Vorliebe für BDSM hat, möchte sie dieses privat halten und sucht – im Gegensatz zur Oberflächlichkeit der staatlichen Diversity-Propaganda – nach romantischen und emotional anspruchsvolleren Liebeserlebnissen. Aus diesem Grund liebt sie entsprechende Bücher und meidet die (durch KI überwachte) einschlägigen Internet-Portale. Durch einen Tipp angeregt, besucht sie eine etwas mysteriöse Buchhandlung, in der sie einer geheimnisvollen Buchhändlerin begegnet. Diese leiht ihr ein durch einen woken Tarneinband geschütztes Buch, das das erotische Märchen von der versohlten Hexe erzählt.
Die im Mittelalter lebende Hexe Madame Cul wird verhaftet und entkommt dem Tod auf dem Scheiterhaufen durch die Flucht ins 21. Jahrhundert. Als sie dort ihren kannibalistischen Neigungen nachgehen möchte, muss sie die bittere Erfahrung machen, dass die Internet-Jugend von heute über andere Möglichkeiten verfügt als die Kinder des Mittelalters. Das Geschwisterpaar Hänsel und Gretel kann sich aus der Gefangenschaft der Hexe befreien und macht ihr sowohl verbal als auch nonverbal – nämlich durch eine intensive Tracht Prügel – klar, dass sie sich nun in die moderne Gesellschaft zu integrieren hat.
Durch die wirtschaftliche Ausbildung der Geschwister und das Kapital ihrer Eltern gelingt es der Hexe gemeinsam mit ihren ehemaligen Opfern, erfolgreich ein Gasthaus zu betreiben. Das aus Marketinggründen propagierte Hexenimage sorgt für mediale Aufmerksamkeit. Sowohl die naiv-voreingenommenen und narzisstisch veranlagten Mainstream-Journalisten als auch die Faktenchecker – die hier allesamt schonungslos der Lächerlichkeit preisgegeben werden – schaffen es jedoch nicht, die wahre Identität der Hexe zu ergründen. Denn für diese Protagonisten bedeutet Journalismus in erster Linie narrativtreue Volkspädagogik und „Kampf gegen Rechts“. Dargestellt wird hier eine Situation maximaler Unfähigkeit: Weder der Wissenschaft noch den Medien gelingt es, offensichtliche Realitäten zu begreifen. Dabei besteht ein evidenter Zusammenhang zwischen dem Hexenglauben und dem Impfglauben der modernen Wissenschaftsreligion, der durch den Spruch „gesichert und wirklich“ in Analogie zum Slogan „sicher und wirksam“ hergestellt wird.
Durch die Besucher des Gasthauses erfährt die ehemalige Hexe auch von anderen Märchengestalten, die ebenfalls ins 21. Jahrhundert geflohen sind. Rotkäppchen erweist sich als Opfer des woken Bildungssystems: Sie ist nun eine feministisch-lesbische Aktivistin für Klima und Multikulti-Ideologie und erhält von der lebenserfahrenen Hexe eine Nachhilfelektion in puncto Genderrealität und Klimawirklichkeit. In der Figur Rotkäppchens zeichnet sich bereits die Dystopie des 22. Jahrhunderts ab. Die Jugend wird in dieser Gegenwart so stark indoktriniert, dass sie mit fiktiven, hochgradig emotionsbeladenen Feindbildern („rechte Verschwörungstheoretiker“, „antimuslimischer Rassismus“ und „Nazis“) und eingetrichterten Ängsten (Klimawandel) aufwächst. Eingelernte Phrasen ersetzen logisches Denken, und die durch die Injektionen verursachten kognitiven Einschränkungen bewirken einen Zombie-Modus, der es den Opfern unmöglich macht, über den engstirnigen Tellerrand der Propaganda hinauszublicken. Den meisten anderen Märchenfiguren ist es allerdings deutlich besser ergangen, auch wenn gewisse Integrationsprobleme sichtbar werden. Schneewittchen und die sieben Zwerge sind etwa in die Produktion und den Vertrieb von Sexspielzeug eingestiegen. Frau Holle hat jedoch mit massiven Problemen zu kämpfen, weil ihre winterlichen Aktivitäten den Unmut der Klimalobby hervorrufen. Auch der Dornröschenprinz erlebt eine böse Überraschung mit einer feministischen Prinzessin – weshalb es wohl kein Zufall ist, dass sein Knecht den Namen Georg trägt, eine Anspielung auf den gleichnamigen Drachentöter.
Als Angela das Buch zurückbringt und ein längeres Gespräch mit der Buchhändlerin führt, tauchen bei ihr seltsame Gedanken auf. Sie stellt sich Fragen, die für den durchschnittlichen Leser der Gegenwart längst beantwortet sind. Obwohl die gesamte Evidenz dafür spricht, dass ihr bisheriges Weltbild in weiten Teilen nicht der Realität entspricht, schafft sie es nicht, dieses zu revidieren. Angela hat studiert und eine wissenschaftliche Ausbildung durchlaufen – und ist dennoch, wie etliche Akademiker der Gegenwart, gerade deswegen (und auch durch den injektionsbedingten Hirnnebel) nicht in der Lage, wissenschaftlich und logisch zu denken.
Der oben angesprochene dialektische Gegensatz beschränkt sich nicht nur auf das Verhältnis zwischen säkularer und vormoderner (islamischer) Gesellschaft, sondern durchzieht das gesamte Buch auch in Bezug auf Illusion und Realität. Während die offizielle Wirklichkeit sich als medial inszenierte Illusion erweist, die von manipulierten und gehirngewaschenen Marionetten am Leben erhalten wird und von tragischer Oberflächlichkeit in allen Lebensbereichen geprägt ist, existiert paradoxerweise gerade in der – offiziell als naive Illusion geltenden – Parallelwelt der Märchen die wirkliche Realität, die dem normalen Menschen jedoch verborgen bleibt. Auch die wahre Liebe existiert nur durch die Symbiose dieser beiden Welten. Die Aussage des Werkes erinnert an Friedrich Nietzsches berühmtes Zitat aus der „Götzen-Dämmerung“: „Die scheinbare Welt ist die einzige: die wahre Welt ist nur hinzugelogen.“
Dieser sehr unterhaltsame Roman besticht durch witzige und pointierte Dialoge. Eindrucksvoll ist auch die breite Themenpalette der Gesellschaftskritik. Opfer der Satire werden Internet- und Handywahn, Feminismus, Impfreligion, Gehirnwäsche und Massenpsychose, Gender- und Klimawahn, Migrationspolitik, Religion (mit Schwerpunkt Islam), Marketing- und PR-Industrie, naive Wissenschaftsgläubigkeit, Wokeness, Mainstream-Journalismus und Coronapolitik. Dem Leser muss allerdings klar sein, dass es sich trotz allem um einen Erotikroman handelt. Auch dieser Bereich wird – trotz mehrerer einschlägiger Szenen – mit einem gewissen Augenzwinkern behandelt. Das Buch verurteilt in keiner Weise die sexuellen Sehnsüchte und Praktiken der Protagonistinnen, sehr wohl aber den politischen Missbrauch der Erotik im Dienste der Propaganda sowie die Naivität der Massen, die sich auf diese Weise missbrauchen lassen.
Der besondere Wert dieses Buches liegt in der literarischen Aufbereitung gesellschaftspolitischer Themen, die sonst meist nur in (nicht immer leicht lesbaren) Sachbüchern behandelt werden. Genau eine solche – leider noch sehr seltene – literarische Bearbeitung erscheint für einen innergesellschaftlichen Diskurs essenziell. Ein Beispiel hierfür ist etwa der Roman von Thomas Eisinger „Hinter der Zukunft“, der die mögliche zukünftige Entwicklung der totalitären Klimaideologie literarisch verarbeitet. Ebenso zu erwähnen ist hier der Corona-Roman von Harald Walach „Verschachtelte Wahrheit“. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Film „Plötzlich Staatsfeind“ von Imad Karim. Die Autoren stehen allerdings vor dem Problem, dass ihre Werke entweder ignoriert oder sie persönlich diffamiert werden. Der Zugang zum normalen Markt wird diesen Künstlern in der Regel erschwert. Daher bleiben diese essenziellen Werke dem Großteil der Bevölkerung unbekannt. Die kritische Öffentlichkeit hat daher die Verantwortung, genau solche Arbeiten zu unterstützen – und in diesem Sinn wurde auch diese Rezension verfasst.
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