Noch ist nichts bewiesen. Noch sprechen deutsche Behörden nicht offen. Und doch tobt längst ein Kampf um die Deutungshoheit. Der tödliche Angriff auf den Zugbegleiter Serkan C. in Rheinland-Pfalz ist nicht nur ein Gewaltverbrechen – er ist ein Testfall für die Glaubwürdigkeit der medialen Erzählung. Deutsche Leitmedien berichten nahezu geschlossen, der Täter sei ein Grieche aus Thessaloniki.
Focus will es «genau wissen». Name, Foto, nähere biografische Details bleiben dennoch unter Verschluss. Gleichzeitig erhebt das griechische Online-Medium Pro News schwere Vorwürfe: Demnach handle es sich in Wahrheit um einen syrischen Asylbewerber, der 2013 über Griechenland in die EU gelangt sei, dort Papiere erhalten habe und später nach Deutschland weitergereist sei.
Sollte diese Darstellung zutreffen – und derzeit lässt sie sich weder bestätigen noch widerlegen –, dann hätte das weitreichende Folgen. Denn dann würde nicht nur eine Täterbiografie falsch dargestellt, sondern ein ganzes Narrativ künstlich stabilisiert.
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Das Narrativ lautet: Ein Grieche tötet einen integrierten Türken mit deutschem Pass, eine positive Story gelungener Integration einer Person aus einem anderen Kulturkreis. Tragisch, aber politisch entschärft. Keine Asylfrage, kein Systemversagen, kein Tabu. Herkunft wird zur Randnotiz, Migration zur Nicht-Erklärung. Ein Gewaltverbrechen ohne ideologischen Sprengstoff.
Doch genau dieses Bild wäre hinfällig, falls der «Grieche» in Wahrheit ein eingebürgerter syrischer Asylbewerber wäre. Dann ginge es plötzlich um offene Grenzen, Identitäten auf Zeit, Asylverfahren ohne Kontrolle und die Frage, wer eigentlich Verantwortung trägt. Dann wäre das bequeme Erzählmuster zerstört.
Die gewöhnlich zuverlässige, aber sehr regierungskritische Plattform Pro News argumentiert genau in diese Richtung: Würde der Name publik, würde auch sichtbar, wie leicht Identitäten verändert, Nationalitäten neu vergeben und Biografien geglättet werden. Der «böse Grieche» diene – so der Vorwurf – als Platzhalter, um das eigentliche Problem unsichtbar zu halten.
Auffällig ist dabei weniger, was berichtet wird, als was nicht berichtet wird. Dass deutsche Medien Namen und Bild des Täters zurückhalten, aber das Opfer mit Vornamen, Namenskürzel, Staatsangehörigkeit und Ethnizität identifizierbar machen, wird von Kritikern als bekanntes Muster gelesen: immer dann, wenn eine Herkunft politisch unerwünscht ist, wird gemauert. Diese Wahrnehmung – ob berechtigt oder nicht – frisst sich längst in das Vertrauen eines Teils der Öffentlichkeit.
Auch in Griechenland regt sich Widerstand, vor allem in Form von wütenden Kommentaren in Online-Foren, nicht nur bei Pro News. To Proto Thema (das erste Thema), im Volksmund To Proto Psema (die erste Lüge) genannt, hält am offiziellen Narrativ fest, in den Kommentarspalten geht aber die Post ab. Dort will man nicht akzeptieren, dass ein ganzes Volk medial mit einem Totschlag in Verbindung gebracht wird, während zentrale Fragen offenbleiben. Die Forderung lautet schlicht: Transparenz.
Noch einmal: Ob Pro News recht hat, ist offen. Doch genau das ist der Punkt. Solange Behörden schweigen und Medien sich demonstrativ festlegen, entsteht der Eindruck, dass nicht Aufklärung betrieben wird, sondern Schadensbegrenzung für ein politisches Weltbild. Der Tote ist real. Der Täter auch. Was zunehmend konstruiert wirkt, ist die Geschichte dazwischen.
Quelle:
Pro News: Αυτός είναι ο Σύρος παράνομος μετανάστης δολοφόνος στην Γερμανία που τον «βάπτισαν “Έλληνα”» – 6. Februar 2026
Dieser Text erschien zuerst hier: https://transition-news.org/todlicher-angriff-auf-zugbegleiter-ein-narrativ-vor-der-zerreissprobe
Übernahme mit freundlicher Genehmigung des Autors.
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